5. FORUM SCHLOSS KAPFENBURG
MUSIK & MEDIZIN
Beim Forum kommen Musizierende, Pädagog:innen, Therapeut:innen, Ärzt:innen und weitere Interessierte zusammen, um aktuelle Erkenntnisse der Musikphysiologie, Musikmedizin, Psychologie und Pädagogik zu diskutieren und deren Bedeutung für den (musikalischen) Alltag auszuloten.
Inhaltlich spannt das 5. Forum einen spannenden Bogen durch die Themenfelder Musik, Gesundheit und Forschung. Musikphysiologische und -medizinische Grundlagen werden ebenso thematisiert wie Übemethoden und der Einfluss des Musizierens auf die Persönlichkeit. Außerdem werden die Schmerzempfindlichkeit von Musizierenden und die therapeutischen Möglichkeiten von Musik beleuchtet.
Nach zwei Vortragsreihen haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich in Diskussionsrunden über die präsentierten Inhalte auszutauschen.
Als Referierende konnte die Stiftung Schloss Kapfenburg folgende Expert:innen gewinnen:
Prof. Dr. med. Annette Limberger
Wissenschaftliche Leiterin des Forums, Hochschule Aalen
Prof. Dr. Clemens Wöllner
Hochschule für Musik Freiburg, Direktor des Freiburger Forschungs- und Lehrzentrums Musik
Dipl.-Psych. Franziska Lauter
Psychologin mit den Schwerpunkten Musikerpsychologie und musikalische Kreativität
Fabian Sternkopf
Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin Hannover
Arina Fostitsch
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg
Das Programm
(Stand Januar 2026)
09.30 Uhr
Registrierung & Begrüßungskaffee
10.00 Uhr
Musikalischer Auftakt
Begrüßung
10.30 Uhr
Eröffnungsvortrag
Mental, differenziell oder einfach nur langsamer? Zur Psychologie des Übens
Prof. Dr. Clemens Wöllner
(Hochschule für Musik Freiburg, Direktor des Freiburger Forschungs- und Lehrzentrums Musik)
Durch Beobachtung und eigene Erfahrung beim Musizieren und Unterrichten entwickeln viele Menschen in musikbezogenen Berufen eigene Konzepte zur Wirksamkeit von Übemethoden. Für das Instrumentalspiel lassen sich Inspirationen aus benachbarten Feldern wie dem Sport oder Tanz einbringen, für den Gesang aus Meditations- und Atemübungen. Fragezeichen können auftreten, wenn diese Methoden nicht bei allen gleichermaßen funktionieren oder langfristig nicht die erwünschte Wirkung erbringen.
Zahlreiche psychologische Prozesse beim Üben sind inzwischen wissenschaftlich erforscht. Dies betrifft die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, sensomotorische Kopplungen und mentale Vorstellungen. Prof. Dr. Clemens Wöllner nimmt in seinem Vortrag drei Techniken unter die Lupe, die häufig eingesetzt werden: langsames Üben, mentales Üben und differenzielles Lernen. Ziel ist die Reflexion darüber, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse für das Üben, in Lehr-Lern-Zusammenhängen und für die Ausübung von Musik einsetzen lassen.
11.15 Uhr
Musikalische Kreativität: Neue Forschungserkenntnisse über die musikalische Persönlichkeit und das musikalisch-kreative Gehirn
Dipl.-Psych. Franziska Lauter
(Psychologin mit den Schwerpunkten Musikerpsychologie und musikalische Kreativität)
Die neuesten Erkenntnisse der Persönlichkeitsforschung und Neurowissenschaften zeigen, dass musikalisch-kreative Menschen sich durch sehr spezifische Persönlichkeitseigenschaften auszeichnen und ein ganz besonderes Gehirn besitzen. Franziska Lauter veranschaulicht in ihrem Vortrag, wie die kreative Persönlichkeit gestrickt ist, welchen Einfluss Musizieren auf die Persönlichkeit hat und wie musikalische Kreativität das Gehirn verändert und fördert. Dabei beleuchtet sie, welchen Einfluss Gene und Umweltfaktoren auf Musikalität & Kreativität haben. Zudem veranschaulicht Franziska Lauter die gesundheitsfördernden, präventiven und potenziell heilenden Aspekte musikalischer Kreativität.
12.00 Uhr
Diskussionsrunde
12.30 Uhr
Mittagspause
13.30 Uhr
Musikalische Umrahmung
13.45 Uhr
Wie wirkt sich Musik auf die Sprachentwicklung bei Kindern aus?
Prof. Dr. med. Annette Limberger
(Wissenschaftliche Leiterin des Forums, Hochschule Aalen)
Ob Rhythmus, Prosodie und gemeinsame Interaktion – Musik kann die Sprachentwicklung von Kindern messbar unterstützen. Besonders Vorschulkinder und Säuglinge profitieren durch gemeinsames Singen und strukturierte musikalische Förderung.
Prof. Dr. Annette Limberger erläutert in ihrem Vortrag, wie durch Musik eine verbesserte phonologische Bewusstheit für Reime, Silbenstruktur und Lautanalyse erreicht wird. Musik unterstützt zudem Syntax und semantische Verarbeitung, da diese ähnliche zeitliche und hierarchische Strukturen wie Musik benutzen. Musik kann außerdem Aufmerksamkeit und auditives Arbeitsgedächtnis, sowie die auditorische Diskrimination erleichtern. Daher profitieren vor allem auch Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen oder Hörstörungen von einer strukturierten Musiktherapie.
14.30 Uhr
Tagungsfit
Langes Sitzen fordert den Menschen heraus – sowohl physisch als auch psychisch. Beim Tagungsfit werden Übungen zur Kräftigung, Dehnung, Mobilisation und Koordination durchgeführt, damit die Teilnehmenden anschließend wieder konzentriert den Vorträgen folgen können.
14.45 Uhr
Der Preis der Kunst – was die Wissenschaft über Schmerzen bei Musizierenden weiß
Fabian Sternkopf
(Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin Hannover)
Warum gibt es eigentlich das Klischee, dass Musizierende empfindlich sind? Tatsächlich leiden professionelle Musizierende häufig unter Schmerzen, die mitunter ihre Karriere beenden können. Der Grund ist meist exzessives Üben unter extremem Konkurrenzdruck. Aber nehmen Musizierende Schmerzen tatsächlich anders wahr? Gibt es vielleicht sogar Unterschiede darin, wie Musizierende Schmerzen neuronal verarbeiten?
Fabian Sternkopf geht in seinem Vortrag dieser und vielen weiteren Fragen zum Thema Schmerzen bei Musizierenden nach. Er erläutert die Erkenntnisse und Methoden aktueller Forschung, wobei die neuronalen und psychosozialen Einflussfaktoren auf Schmerzen bei Musizierenden diskutiert werden. Außerdem thematisiert Fabian Sternkopf inwiefern Musizierende für die allgemeine Schmerzforschung von Bedeutung sein könnten.
15.15 Uhr
Pause - Kaffee & Kuchen
15.45 Uhr
Musik als Seelenbalsam – Musizieren zwischen Begeisterung und Belastung
Arina Fostitsch
(Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg)
Musik wird von Zuhörenden und Musizierenden jedes Spielniveaus als Quelle von Glück, Freude und Kraft erlebt. Die musikbezogene Berufstätigkeit kann jedoch zu erheblichen körperlichen und psychischen Risiken und Erkrankungen führen. Arina Fostitsch veranschaulicht und diskutiert diese bekannte, doch auch bemerkenswerte Diskrepanz anhand neuester Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie „RESI“, die im Juni 2025 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart durchgeführt wurde. Darüber hinaus stellt sie konkrete Implikationen und Maßnahmen für die musikpädagogische und berufsmusizierende Praxis aus der psychosomatischer Perspektive vor.
16.15 Uhr
Diskussionsrunde
16.45 Uhr
Gespräche & Ausklang
Termin
Samstag, 13. Juni 2026
Beginn 09.30 Uhr, Ende ca. 16.45 Uhr
Trude Eipperle Rieger-Konzertsaal
Teilnahmegebühr
100,00 Euro inkl. Verpflegung für Teilnehmende
70,00 Euro inkl. Verpflegung für Mentor:innen („gesunde musikschule®“ & „gesundes orchester“)
Bei Bedarf zzgl. 72,00 Euro Übernachtung im Einzelzimmer (inkl. Frühstück) pro Nacht
Für die Teilnahme am „5. Forum Schloss Kapfenburg – Musik & Medizin“ wurden bei der Ärztekammer Baden-Württemberg Fortbildungspunkte beantragt.
Partner:
Die Techniker (TK)
Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg
DIE REFERIERENDEN 2026
Prof. Dr. Clemens Wöllner
Clemens Wöllner ist Professor für Systematische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik Freiburg und Direktor des Freiburger Forschungs- und Lehrzentrums Musik. Nach seiner Promotion 2007 arbeitete er unter anderem als Research Fellow am Royal Northern College of Music Manchester, an der Universität Bremen und war von 2013-2022 Professor an der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die musikpsychologische Interpretationsforschung, experimentelle Ästhetik und multimodale Wahrnehmung. Dabei interessiert ihn besonders, wie beim Musizieren innere Vorstellungen mit den jeweiligen Situationen und Hörerwartungen interagieren. Prof. Wöllner ist Mitglied der Academia Europaea, von 2018-2025 war er Vizepräsident und später Präsident der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie.
Dipl.-Psych. Franziska Lauter
Franziska Lauter ist Psychologin mit den Schwerpunkten Musikerpsychologie und musikalische Kreativität. Sie arbeitet wissenschaftlich fundiert und berät seit mehr als 10 Jahren Musikschaffende sowie Teams. Franziska Lauter ist Mitbegründerin des MiM-Verbands (Mental Health in Music). Mit verschiedenen Bandprojekten feierte sie selbst musikalische Erfolge und tourte weltweit.
Prof. Dr. med. Annette Limberger
Annette Limberger begann ihren Werdegang 1985 als Audiologie-Assistentin an der Universitäts-HNO-Klinik Ulm, 1987 wechselte sie in die Hörakustik und nahm 1992 ihr Medizinstudium auf. Nach Abschluss des Studiums war sie zunächst an der Universitäts-HNO-Klinik Tübingen, wo sie unter anderem die audiologische Abteilung leitete. An der Universitätsklinik für HNO und Kommunikationsstörungen Mainz schloss Limberger ihre Weiterbildung zur Phoniaterin und Pädaudiologin ab. Sie bliebt dort als Oberärztin bis sie 2007 den Ruf an die Hochschule Aalen annahm. Hier lehrt sie vor allem die Bereiche der Hörsystemtechnik und -anpassung. Forschungsschwerpunkte sind besonders neuronale Verarbeitungen bei Schwerhörigkeit und Kinderversorgungen. Weiterhin ist sie Leiterin der Sektion Phoniatrie und Pädaudiologie an der HNO-Klinik der SLK-Kliniken in Heilbronn.
Fabian Sternkopf
Fabian Sternkopf studierte im Bachelor und Master „Theoretische Physik“ an der TU Berlin. Von 2019-2020 war er wissenschaftlich zum Thema statistische Modellierung am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin tätig. Von 2020-2021 arbeitete er in diversen Bildungsprojekten. Seit 2021 ist Fabian Sternkopf in der Forschung tätig und promoviert in den Neurowissenschaften zum Thema „Schmerzen bei Musiker*innen“ am Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin Hannover.
Arina Fostitsch
Arina Fostitsch ist Diplom-Klavierpädagogin, Pianistin (M.Mus. Liedgestaltung) und Ärztin. Sie studierte Klavier an der Musikhochschule Freiburg, verfügt über langjährige klavierpädagogische Erfahrung und konzertierte als Solistin sowie Kammermusikpartnerin europaweit. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Universität Freiburg und arbeitet derzeit als Ärztin in Facharztweiterbildung an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. In ihrer Forschungstätigkeit widmet sich Arina Fostitsch unter anderem Themen von Resilienz und mentaler Gesundheit von Künstler:innen. Sie publizierte und promovierte über den Zusammenhang von Schlafstörungen bzw. psychischen Erkrankungen und biologischem Zellalter.
4. Forum Schloss Kapfenburg
Themen des 4. Forums waren unter anderem Musikphysiologische und Musiker-Medizinische Grundlagen, die seelische Gesundheit im Musikschulalltag, der Umgang mit Stress und Angst beim Musizieren, die Entwicklung der musikalischen Hörwahrnehmung, die entwicklungsorientierte Bewegungs- und Körperarbeit für Musizierende sowie die Möglichkeiten der Musik als Therapie.
3. Forum Schloss Kapfenburg
Themen des 3. Forums waren unter anderem Gehörschutz, Bewegung und Klopftechniken, die neuropsychologischen Wirkungen von Musik sowie die auditive Kognition. Zudem hat die wissenschaftliche Leiterin des Forums, Prof. Dr. med. Annette Limberger (Hochschule Aalen), die aktuellsten Forschungsergebnisse im Bereich der Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) vorgestellt.
2. Forum Schloss Kapfenburg
Themenschwerpunkte des 2. Forum Schloss Kapfenburg am 29. September 2018 waren Prävention und Gesundheitsförderung von Kindern durch Elementare Musikpädagogik und die Förderung von Musikinterventionen durch gesetzliche Krankenkassen.
1. Forum Schloss Kapfenburg
Inhalte des 1. Forum Schloss Kapfenburg am 24. September 2016 waren unter anderem aktuelle Forschungsergebnisse aus den Bereichen der Musikermedizin und Hörakustik, Physioprophylaxe, Stimme, Auftritt & Lampenfieber sowie der Innovationsgedanke Musik & Medizin.
Kontakt
Louisa Eckl
Referentin für Bildung & Gesundheit