Das Land sieht es als seine Aufgabe, die in seinem Eigentum stehenden Kulturliegenschaften, insbesondere Schlösser, Klosteranlagen und Gutshöfe zu erhalten, weiterzuentwickeln und einer nachhaltigen Nutzung zuzuführen.
 
Nach mittlerweile 20 Jahren erfolgreichem Geschäftsbetrieb der Internationalen Musik-schulakademie Schloss Kapfenburg mit stetig wachsenden Gästezahlen und geänderten Anforderungen sind umfassende Renovierungsarbeiten und Erweiterungen zur Beseitigung von bestehenden Defiziten notwendig. In einer vom Landesbetrieb Vermögen und Bau, Amt Schwäbisch Gmünd, veranlassten Untersuchung wurde insbesondere in folgenden Bereichen Bedarf identifiziert:
 
Bereich Unterkünfte
Derzeit befinden sich, gelegen in den Räumlichkeiten im Brauerei-, Forstamts-, Tor- haus- und Trysoleigebäude, 123 Betten in 47 Einzel-, Doppel- und vorwiegend Mehrbettzimmern.
 
Im Akademiebereich herrscht inzwischen vor allem Bedarf an Einzel-, Doppel- und ma-ximal Dreibettzimmern. Die Nachfrage etwa nach Seminaren und Tagungen macht eine Neuplanung und Reorganisation der Zimmer nötig, damit die Stiftung ihre Kernaufgaben weiterhin bedienen kann.

Weitere Bereiche
Die Verpflegung der bis zu 300 Tages- und Übernachtungsgäste ist mit der bestehenden Infra- und Küchenstruktur nicht mehr leistbar. Auch sind die Büroflächen für die Anzahl der derzeitigen Beschäftigten nicht ausreichend.
 
Zur Beseitigung der Defizite hat die Untersuchung folgende Ergebnisse erbracht:
  • Erhöhung der Übernachtungskapazität um rund 50 Betten
  • Teilweiser Umbau der bestehenden Mehrbettzimmer des Akademiebetriebs im Brauerei- und Forstamtsgebäude in Doppelzimmer und Anhebung des Zimmerstandards
  • Anpassung der Infra- und Küchenstruktur
  • Bauliche Maßnahmen zur Optimierung organisatorischer Abläufe
  • Konzentrierung der dezentral untergebrachten Verwaltung
  • Verbesserung der Barrierefreiheit
  • Verbesserung der Zufahrts- und Parkplatzsituation.
 
1. Aktueller Sachstand
Das Amt Schwäbisch Gmünd des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg beauftragte nach Durchführung eines vergaberechtlichen Auswahlverfahrens nach der Vergabeverordnung das Büro NIETO SOBEJANO ARQUITECTOS, Madrid/Berlin, mit der Planung und Durchführung einer Machbarkeitsstudie des gesamten Schlossbereichs. Hierbei sollte insbesondere die Erweiterung der Unterkunftskapazitäten angegangen werden.
 
Erweiterung der Unterkünfte
Da sich der Standort des möglichen Neubaus innerhalb eines Kulturdenkmals von be- sonderer Bedeutung befindet, wurde ein zurückhaltender, hochwertiger Entwurf aus- gearbeitet, der einen in die Außenmauer integrierten, unterirdischen Erweiterungsbau zwischen Forstmeisterstallgebäude und Lorenzkapelle vorsieht und damit in die beste- hende Anlage so gering als möglich eingreift.

Hierbei wurde im Rahmen der denkmalrechtlichen Möglichkeiten besonderer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, das aktuelle Gebäudeenergiegesetz (GEG) eingehalten und die kompakte Gebäudehülle in Passivhausqualität geplant. Die Planungen fanden in enger, konstruktiver Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und den städtischen Behörden statt.
 
Der Entwurf sieht ein Gebäude vor, das aus der Erdgeschossebene, zwei unterirdischen Übernachtungsebenen und einer Technikebene im Untergeschoss besteht. Das kreisrunde Eingangsgebäude befindet sich in der Erdgeschossebene und enthält einen Aufenthaltsraum, die Haupterschließungstreppe und den Aufzug. Im ersten und zweiten Untergeschoss sind insgesamt 22 Übernachtungsdoppelzimmer, zwei Fluchttreppenhäuser, Verkehrs- und Erschließungsflächen, der Aufzug sowie Technik- und Funktionsflächen vorgesehen. Zwei der Übernachtungszimmer sind barrierefrei geplant, eines davon rollstuhlgerecht.
 
Weitere Schritte
Zur Untersuchung des Untergrunds und zur Klärung der grundsätzlichen Machbarkeit im Zusammenhang mit möglichen archäologischen Funden fanden Probebohrungen statt. Demnach ist es am Standort möglich, ein Gebäude mit unterirdischen Geschossen zu errichten. Eine Umsetzung des Konzepts zur Erweiterung der Unterkünfte setzt allerdings eine Etatisierung im Haushalt des Landes voraus. Bislang ist diese Etatisierung nicht erfolgt. Über den Haushalt entscheidet der Landtag von Baden-Württemberg.
 
Um die Attraktivität von Schloss Kapfenburg als Kulturgut zu stärken, sind im Weiteren mittel- bis langfristig auch Umstrukturierungen der Gesamtanlage denkbar, unter ande-rem zur Optimierung organisatorischer Abläufe und zur Konzentration der bislang de-zentral untergebrachten Verwaltung.
 
Solche Umstrukturierungen sind abhängig von derzeit laufenden detaillierten Bestandsanalysen und Bedarfserfassungen, bei denen die Aufgabe der Internationalen Musikschulakademie berücksichtigt wird, den Stiftungszweck der musikalischen Bildung auch in Zukunft optimal und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erfüllen.

Schloss Kapfenburg selbst ist Impulsgeber und Gastgeber für internationale Begegnungen von Jung und Alt mit gesamtwirtschaftlicher Bedeutung für Lauchheim, die Ostalb und ganz Baden-Württemberg.


Luftbild Schloss Kapfenburg mit Erweiterung der Unterkünfte, © Drohnenfotografie Ostalb: Hochschloss, Kaplanei, Forstmeisterstallgebäude, Erweiterung der Unterkünfte, Lorenzkapelle, Brauerei- und Forstamtsgebäude, Torhaus, Bandhaus/Fruchtkasten, Trysolei


Außenperspektive Eingangsgebäude und Lorenzkapelle


Innenperspektive Eingangsbereich und Aufenthaltsraum mit Blick in die Landschaft


Innenperspektive Unterkunft mit Fensternische in Schlossmauer

Quelle: Land Baden-Württemberg - Vermögen und Bau | Amt Schwäbische Gmünd