Unser neuer Schlossführer
 
Majestätisch thront Schloss Kapfenburg auf einem Bergsporn im Osten der Schwäbischen Alb. Erbaut in der Stauferzeit, übernahm der Deutschen Orden die Burg und wandelte sie zum Schloss um. Heute beherbergen die historischen Mauern die Stiftung Internationale Musikschulakademie Schloss Kapfenburg.
 
Das „Kapfen“ in Kapfenburg bedeutet „gaffen“. Denn im frühen Mittelalter hatte der Begriff noch nichts mit Schaulustigen zu tun, er stand schlichtweg dafür, ins Land zu schauen. Und das kann man von der Kapfenburg aus wirklich ganz hervorragend. Heute freilich nicht mehr, um die Straßen zu überwachen und Zölle zu kassieren, sondern um die Schönheit der Landschaft zu genießen.
 
Auch das niemals zerstörte Schloss ist eine Augenweide. Das liegt nicht zuletzt an den vielen Baustilen, die es in sich vereint. Ob Gotik, Barock oder Renaissance – die Übergänge sind fließend, jeder Komtur baute dem Geschmack seiner Zeit entsprechend an. 
 
Mehr als 400 Jahre residierte der Deutsche Orden in Lauchheim, ehe er 1806 von Napoleon verbannt wurde. Die Güter fielen an das Königreich Württemberg – und das Schloss in einen tiefen Dornröschenschlaf. Zwar wurde es teilweise als Forst- und Kameralamt genutzt, auch die im 15. Jahrhundert gegründete Kapfenburger-Brauerei bestand bis 1960, doch größtenteils standen die unzähligen Räume leer. In der Domäne, dem landwirtschaftlichen Bau auf dem Außenbereich, eröffnet 1961 eine Außenstelle der JVA und die Einrichtung eines Heimatmuseums in den 90er Jahren brachte wieder etwas Leben aufs Schloss. Es fehlte jedoch ein Konzept für eine durchgängige zukünftige Nutzung.
 
Bis 1993. Auf Anregung des damaligen Präsidenten des Landesverbands der Musikschulen Baden-Württemberg sollte in Ostwürttemberg ein Leistungszentrum für Musikschulen gefunden werden. Die alten Mauern mit jungen Menschen und Musik zu füllen, war eine Idee, die alle überzeugte. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten eröffnete schließlich im Oktober 1999 die Internationale Musikschulakademie Kulturzentrum Schloss Kapfenburg. Das Konzept ging auf, heute besuchen jährlich 50.000 Menschen das Schloss und jeder Winkel ist mit Leben erfüllt.
 
Und mit Geschichte. Der neue Schlossführer „Schloss Kapfenburg – Vom Deutschordensschloss zur Musikschulakademie“ ermöglicht den Besuchern ab sofort, in diese Einzutauchen. Das Ringbuch enthält einen Rundgang mit zahlreichen anschaulichen Informationen zu den einzelnen Stationen und die Illustrationen von Sascha Pollach zeigen, wie das Schloss sich im Lauf der Jahrhunderte gewandelt hat. Autor Winfried Kießling wirft zudem einen Blick auf bekannte und neue Details rund um das Schloss und seine Bewohner.
 
„Schloss Kapfenburg – Vom Deutschordensschloss zur Musikschulakademie“, Stiftung Schloss Kapfenburg, Lauchheim 2020. Spiralbindung, 94 Seiten, 9,00 Euro. ISBN 978-3-00-064621-8. Erhältlich hier.