Klavierkonzert mit Herbert Schuch auf Schloss Kapfenburg
Accelerando Herbert Schuch 11.10.2007 Konzertsaal
In seinem ersten Konzert auf Schloss Kapfenburg am 11. Oktober 2007 forderte Herbert Schuch sich und das Publikum bis aufs Äußerste. Die Programmzusammenstellung machte deutlich: Da macht eines der großen Talente keine Kompromisse. Mit einer bemerkenswerten interpretatorischen Reife spielte der 28-jährige Pianist auf einem Flügel der Pianofortemanufaktur Sauter Werke von Schumann, Holliger, Ravel und Prokofieff. Schuch schaffte eine künstlerische Durchdringung der schwierig zugänglichen Musik, die das Publikum zunehmend nachempfinden konnte, und die schließlich große Begeisterung für Schuchs Leistung auslöste.
Der erste Programmteil bis zur Pause war ein Zyklus von kleinen Klavierstücken aus verschiedenen Epochen. Schuch spielte alle Stücke ohne Unterbrechung und schuf so einen Bogen, der in den sonst so unterschiedlichen Gefühlswelten der Romantik, des Impressionismus und des Expressionismus ein gemeinsames Erleben von Todesahnung und Vergänglichkeit hörbar machte.
Schuch begann mit dem Werk “Nachtstücke op. 23” von Robert Schumann. In den vier Miniaturen, ursprünglich “Leichenphantasie” genannt, vertont Schumann die Vorahnung an den bevorstehenden Tod seines Bruders Eduard. Mit dem zweiten Werk “Drei Nachtstücke für Klavier” knüpfte Herbert Schuch an Schumanns dunkle Gefühle an. Die Nachtstücke von Heinz Holliger (geb. 1939) sind Vertonungen des Gedichts An den Knaben, Elis (1913) von Georg Trakl. Ähnlich wie Schumann im Jahr 1839, zeigt sich Trakl vierundsiebzig Jahre nach Schumann von einer apokalyptischen Grundhaltung überwältigt und drückte diese künstlerisch aus. Mit Maurice Ravels Komposition “Gaspard de la nuit” (1908) beschloss Schuch den ersten Teil des Klavierabends. Auch in diesem Werk zeigt sich ein depressiver Zug der Verfasser der gleichnamigen Gedichtvorlage Aloysius Bertrand (1807-1841) stand zeitlebens vor dem Bankrott und schaffte es bis zum Tod nicht, seinen einzigen Gedichtband zu veröffentlichen den Herbert Schuch in Beziehung zu Schumann und Holliger brachte.
Für den zweiten Teil des Konzerts hatte Herbert Schuch die Sonate Nr. 8 op. 84 des russischen Komponisten Sergej Prokofieff gewählt. Das Werk entstand in den Jahren 1939 bis 1944 während des zweiten Weltkriegs. Die Sonate thematisiert das Zeitgeschehen, doch anders als die Werke des ersten Programmteils ist Prokofieffs Gefühlswelt nicht von der Verzweiflung am eigenen Schicksal geprägt, sondern von einer Bejahung des Lebens und optimistischen Grundhaltung auch in schwieriger Zeit. Diese Wahl war ein dramaturgischer Glücksgriff. Schuch verstand es hervorragend, sich und die Zuhörer aus der Düsternis des ersten Programmteils herauszuführen und den Konzertabend triumphal zu beenden.
Ich möchte etwas Schlüssiges herausfinden, etwas, das mich berührt, das mir etwas sagt, so Herbert Schuch über sein künstlerisches Dasein. Beim Gastspiel auf Schloss Kapfenburg ging er weit darüber hinaus. Er stellte dem Publikum musikalisch schwierige Fragen und gab gleichzeitig aufschlussreiche Antworten. So wurde das Solokonzert im Rahmen der Konzertreihe Accelerando zu einem beeindruckendem und bleibendem Hörerlebnis.
Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Pianofortemanufaktur Sauter und von der Württembergischen Versicherung. Weitere Veranstaltungen der Konzertreihe Accelerando sind am 09. November 2007 die “Nacht der Poeten ein Abend der komischen Literatur” mit Jess Jochimsen und Gästen sowie am 29. November 2007 die “Ponticellos zwei Celli zwischen E und U.”

